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INTERNATIONAL DANCE OF THE YEAR 2010 - TANGO

Tango weltweit

„Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann“ heißt es. 

Mit vielen Worten ist der ungewöhnlich ausdrucksstarke Tanz beschrieben worden: Tango ist getanzte Leidenschaft, getanztes Drama,  Show, Lebensgefühl, ein Tanz großer Gefühle, elegant, erotisch und vor allem melancholisch. Wie die meisten Tänze fächert er sich in Unterarten auf: klassischer Tango Argentino, europäischer Tango, Tango Nuevo, 21st Century-Tango mit Jazz-, Pop, HipHop- und anderen Einflüssen.

Die Welthauptstadt des Tango ist Buenos Aires. Um 1880 wurde der Tango in den Elendsquartieren der Stadt geboren. Er war die Musik und der Tanz mittelloser Einwanderer und Glückssucher aus Europa und aller Welt, verarmter Gauchos, Gauner und Dirnen. Mit ihnen kam ihre Musik: afrikanische Rhythmik, kubanischer Habanera, italienische Oper, spanische Gitarren-Virtuosität, franzöische Varietémusik, osteuropäische Fiedeln. Der deutsche Beitrag war eine „rheinländische Quetsche“, die nach dem Krefelder Musikalienhändler Heinrich Band den Namen Bandoneon bekam. Ihr wehmütiger Ton prägt den Tango. 

Tango war zunächst eine Underground-Musik. Etwas vulgär, beheimatet in Spelunken, Kaschemmen und Bordellen des Hafens. Oberklassen-Reisende brachten den Tanz um 1910 mit nach Paris. Als er dort begeistert aufgenommen wurde, fand plötzlich auch die argentinische Oberschicht das Unterschichtenvergnügen salonfähig. Tango Argentino und seine großen Musiker wie Carlos Gardel und Astor Piazzolla wurden so etwas wie Nationalheiligtümer.  Zwei Minuten und siebenundfünfzig Sekunden dauert Gardels berühmtes Lied „Volver...“ aus dem Jahre 1934: Es ist der traurige Gesang eines einsamen Mannes, der sich hinter schwarzen Augenringen, ergrauten Schläfen und von tiefen Falten zerklüfteter Stirn nach seiner ersten Liebe zurücksehnt.

Viele Jahre tanzte man Tango, doch dann wurde er unmodisch. Ein Fossil mit Pomade im Haar...

Er starb allerdings nie ganz und plötzlich hörte man den wehmütigen Klang des Bandoneons erneut und auf eine ganz neue Weise. Und das bald weltweit.

Noch immer gilt die argentinische Hauptstadt als die größte Tangostadt der Welt. Dicht gefolgt von Berlin. Allerdings behaupten die Pariser, die zweite Hauptstadt des Tango heiße Paris. 1999 wurde hier Gotan Projekt gegründet, eine Band, die eine Elektro-Version des Tango spielte und damit einen Welterfolg landete. D i e Neubelebung! Unzählige einschlägige Tanzveranstaltungen, Milongas genannt, finden seitdem in der Seine-Metropole  allabendlich statt. An hippen Adressen ebenso wie in Hinterhöfen, im Sommer sogar unter freiem Himmel am Quai Saint-Bernard. Und wie in Paris ist es in vielen großen und kleinen Städten und Orten der Welt. Tango gehört zurzeit zum Soundtrack der Nacht. Von Finnland bis in den Senegal, von Griechenland bis Brasilien. Er wird mit Elektrobeats clubtauglich gemacht, mit Klezmer gemischt, mit Roma- oder mit indischen Sounds. Vieles fließt ein. Wie immer die Mixtur auch ausfällt, die Tangos haben eines gemeinsam: die typische Atmosphäre von Sehnsucht, Leidenschaft, Eleganz.

Einen wirklichen Dresscode gibt es beim Tango nicht. Lackschuhe sind nicht erforderlich, auch nicht die Rose quer im Mund oder das hartnäckig zum Tango-Klischee gehörige Kokain. Nur eins ist geblieben: die klare Rollenverteilung beim Tanzen. Der Mann führt, die Frau folgt. Man schweigt, denn beim Tango sprechen die Körper miteinander.

Spielfilme, die das Thema Tango aufnehmen, gibt es zuhauf. Wer zur Einstimmung ganz in die Tangowelt abtauchen will, für den ist „Tango Lesson“ das Richtige. 

Wer Tango lernen will, hat es nicht schwer. Er gibt allerorts Tanzschulen, Tango-Workshops und Tangoveranstaltungen, die Milongas. Und da der Tango in der ganzen Welt zuhause ist, ist eine Milonga in Barcelona schnell gegoogelt oder sogar ein Flug nach Buenos Aires...? Dort sang einst der legendäre Komponist und Tangosänger Gardel sein unvergängliches Lied vom Zurückkehren „Volver...“

Tango ist Weltkulturerbe

Im Oktober 2009 hat der Tango Aufnahme in die Liste der schützens- und erhaltenswerten Künste und Traditionen gefunden. Eine Auszeichnung, die bisher nur wenige Tänze erfahren haben. Die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit, versucht die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen zu erhalten. Neben Tänzen finden sich auch Bräuche, Feste oder traditionelle Handwerkstechniken auf der Liste.


Im Januar 2010 erschien im Magazin "Wissen Plus" der Artikel "Warum Tango glücklich macht"



© WISSENplus 1|2010, inmediaONE] GmbH

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