MARCEL KUZMINSKA HAT ES GESCHAFFT
Seine Berufsausbildung ist vorbei. Wo seine Altersgenossen den Beruf des Bürokaufmanns, Mechatronikers oder Tischlers anstreben, hatte sich Marcel für eine außergewöhnliche Ausbildung entschlossen: er ist nun Tanzlehrer.
"Ich habe klassisch angefangen zu tanzen, als ich dreizehn war. Da wurde ich noch von Mutter geschickt." Marcel lacht. Jetzt wo er Tanzlehrer ist, kann er es kaum glauben, dass er zu seinen ersten Stunden noch angehalten werden musste. "Aber dann hatte ich irgendwann Spaß. Spaß an der Musik, Spaß an der Bewegung. Ich bin dann immer in den unteren Kursen eingesprungen, wenn dort Herrenmangel war."
Dass Marcel aber einen Ausbildungsplatz bei Peter Frank bekam, war eher zufällig und dem Glück geschuldet: "Eigentlich hatte ich schon alle Plätze vergeben. Aber als jemand absprang, war Marcel erste Wahl." Drei Jahre lang studierte Marcel dann unterschiedliche Tanzstile. Denn auch nach dem Goldkurs in der Tanzschule ist niemand ein perfekter Tänzer. "Es wird zwar darauf aufgebaut, aber man muss noch sehr viel verfeinern", sagt Marcel. "Zudem wird einem beigebracht, wie man Tänze vermittelt." Peter Frank macht es noch deutlicher: "Im Tanzkurs lerne ich eine Figur. In der Ausbildung lerne ich sie verstehen. Dann weiß ich, warum eine Armbewegung so gemacht wird, und nicht anders."
Zum Schluss der Ausbildung wird dann der Prüfling auf die Probe gestellt
Es wird ihm eine Tanz vorgegeben, den er vorführen muss. "Wie im Unterricht müssen wir dann alleine vor der Jury tanzen. Erst unmittelbar vorher erfahren wir, welchen Tanz und welche Schritte: Ob Damen- oder Herrenschritt." Beide müssen aus dem Effeff gekonnt werden.
An seinen ersten Tanzkurs, den er allein unterrichtete, erinnert sich Marcel noch gut. Das war noch während der Ausbildung. "Es war schwierig, die Schüler zu überzeugen, dass ich einer bin, der etwas zu sagen hat. Die kannten mich teilweise noch als Schüler aus dem Unterricht. Aber mit der Zeit gibt sich das auch."
Auch heute holt er sich den einen oder anderen Tipp von seinem Chef. "Naja, wir geben uns schon gegenseitig Tipps", unterbricht ihn Peter Frank. "Wir sind im Unterrichtsstil auch ein bißchen verschieden. Ich gehöre noch zu einer älteren Ausbildungsgeneration. Ich bin noch ein strenger. Marcel geht den Unterricht spielerischer an als ich."
Später einmal will Marcel auch eine eigene Tanzschule haben. Momentan lernt er aber noch ein paar Tänze, die er in der Ausbildung nicht besprochen hat: den Tango Argentino beispielsweise. Peter Frank unterstützt ihn dabei: "Man muss immer up to date sein. Einen Tanzlehrer, der fertig ist, das gibt es nicht."
Quelle: von Kai Kollenberg WAZ Bottrop. Wir bedanken uns für die freundliche Abdruckgenehmigung.
< ZURÜCK
|
|