HEILKRAFT DES TANZENS
Cha-Cha-Cha fürs Gehirn
"Ein Tanzkurs? Ach nee, was soll das denn bringen?" An dieser Frage sind
schon viele Ehefrauen gescheitert, die ihren Gatten aufs Tanzparkett
manövrieren wollten. Die Argumente für die dann folgende Diskussion liefert
ihnen nun die Wissenschaft. Forscher haben herausgefunden: Wer eine kesse
Sohle aufs Parkett legt, tut nicht nur etwas für die Partnerschaft und die
körperliche Fitness, sondern trainiert vor allem sein Gehirn!
Tanzen ist ein gutes Körpertraining, fördert Kraft, Ausdauer und
Koordination. Aber Tanzen kann noch mehr: Denn neurowissenschaftliche
Erkenntnisse deuten jetzt darauf hin, dass regelmäßiges Tanzen das Gehirn
aktiv hält und Alterungsprozessen entgegenwirken kann. Und genau das wollen
jetzt Hirnforscher der Ruhr-Universität Bochum durch eine Tanzstudiebeweisen.
Mit Tanzen gegen das Alter Studienleiter Dr. Hubert Dinse vom Institut für Neuroinformatik und sein
Team suchten Teilnehmer über 60 für einen sechsmonatigen Tanzkurs. Ein
spezielles Training soll besonders die geistige Vitalität der Senioren
steigern. "Die Neurowissenschaften haben gezeigt, dass Alterungsprozesse
nicht etwas Irreversibles sind, sondern dass man mit Tanzen etwas dagegen
tun kann.
Denn das Gehirn ist bis ins hohe Alter lernfähig," erklärt Dr. Hubert
Dinse. Die Schrittfolgen und Drehungen zum Rhythmus der Musik lockern dabei
nämlich nicht nur die eingerosteten Gelenke der Tänzer, sie schärfen vor
allem die Konzentration und regen das Gehirn an. Forscher glauben daher,
dass regelmäßiges Tanzen die Gefahr, an einer Demenz zu erkranken, um über
70 Prozent reduzieren kann.
Tanzen verbindet Aber nicht nur Senioren profitieren vom Tanzvergnügen, auch für die
Kleinsten bietet das Tanzen schon viele wichtige Impulse für die
Entwicklung. Deshalb setzt Tanzpädagogin Corinna Vogel Tanzen an der
Astrid-Lindgren Grundschule in Köln gezielt im Unterricht ein. Die
Tanzübungen vermitteln den Kindern spielerisch ein Gefühl für den eigenen
Körper und den Rhythmus der Musik. Und die multikulturelle Gruppe lernt ihn
dabei als nonverbales Ausdruckmittel kennen.
Diese Möglichkeit durch Tanzen Sprachbarrieren zu überwinden, ist auch für
Schulleiterin Corinna Roll von besonderer Bedeutung. "Wir haben ja sehr
viele Kinder mit Migrationshintergrund, die die deutsche Sprache noch nicht
so gut beherrschen. Durch das Tanzen haben sie jetzt ein Medium sich durch
ihren Körper und die Musik darzustellen, auch Gefühle auszudrücken, ohne
den Wortschatz dafür zu gebrauchen", so Roll.
Durch den spielerischen Austausch in der multikulturellen Klassengemeinschaft bauen sich so Hemmungen zwischen den Geschlechtern und
Barrieren zwischen den Kulturen leichter ab. Und das stärkt auch das
Selbstvertrauen der Kinder.
Tanzen als Therapie 
Diese positiven Auswirkungen des Tanzens auf Körpergefühl und
Selbstvertrauen nutzt auch die Tanztherapie bei der Krebsnachsorge.
Tanztherapeutin Elana Mannheim hilft den Frauen dabei, ihren Körper
wahrzunehmen und ihre Gefühle im Tanz auszudrücken. So können sie ihre
Krankheit aktiv verarbeiten. "Die Tanztherapie hilft den Frauen, wieder
mit sich in Kontakt zu kommen. Viele berichten einfach auch, dass sie
gewohnt sind zu funktionieren, auch nach der Krebserkrankung noch. Aber
dass es ganz wichtig ist, darüber hinaus einfach auch alle Sinne wieder
anzusprechen und sehr sinnlich auch wieder mit sich in Kontakt zu kommen."
Die Bewegung zur Musik spricht die Frauen vor allem auf emotionaler Ebene
an. So kommen seelische Prozesse in Bewegung, die für das Verarbeiten der
Krankheit wichtig sind. Die Therapie in der Gruppe hilft den Frauen die<
Isolation der Krankheit zu überwinden und Kraft zu schöpfen für den Start
in ein neues Leben.
Balsam für die Seele
Tanzen ist also nicht nur ein vielseitiges Training für den Körper. Es ist
auch Balsam für die Seele und sehr stimulierend für den Geist. Und egal ob
Jung oder Alt, Bewegungstalent oder nicht - Tanzen ist ein
unverwechselbares Ausdrucksmittel jedes Menschen und eine körpereigene
Heilquelle bis ins hohe Alter.
Ein Film von Sarah Spitzner und NatalieReinking
Quelle: ZDF
RUB-Neurowissenschaftler untersuchen die Wirkung des Tanzens
In einer Studie untersuchen die Forscher jetzt, inwieweit ein speziell für Senioren entwickelter Tanzkurs dazu beitragen kann, Gesundheit und Vitalität bei sonst eher inaktiven älteren Personen zu steigern.
> weitere Informationen zur Studie
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