TANZEN
„Gestatten Sie, dass ich mit Ihrer Gattin tanze?“
Diese Frage ist ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Heutzutage entscheiden Frauen selbst, ob, wann und mit wem sie tanzen – auch dann, wenn sie in männlicher Begleitung sind. Ob es sich dabei um den Ehemann, den Partner oder sonst wen handelt, ist unerheblich.
Allein am Tisch?
Bei der Annahme einer Aufforderung durch jemand anders als die eigene Begleitung, berücksichtigen Sie, bitte: Es kann unangenehm sein, allein am Tisch zurückzubleiben. Das gilt für Frau wie für Mann gleichermaßen.
Wem gehört der erste Tanz?
Ganz gleich, ob Sie mit Bekannten oder Fremden bei einer Tanzveranstaltung
an einem Tisch sitzen: Das Paar, welches zusammen ein solches
Fest besucht, tanzt den ersten Tanz miteinander. Wer wen dazu
auffordert, ist unerheblich. Selbstverständlich kann diese Initiative von
der Dame ausgehen. Die schöne alte Sitte, auch die anderen Gäste der
Tischrunde zum Tanzen aufzufordern, beginnt erst danach. Die früher üblichen Pflichttänze – also mit jeder Dame am Tisch einmal tanzen zu
müssen – gibt es allerdings bei öffentlichen Bällen nicht mehr.
"Darf ich bitten?"
Dass Gesellschaftstanz eine besonders schöne Freizeitbeschäftigung
ist, wissen viele Menschen aller Altersstufen. Welche große Besonderheit
er jedoch im Umgang miteinander darstellt, dürfte den wenigsten
bewusst sein: Es ist die einzige, gesellschaftlich sanktionierte Gelegenheit,
bei der sich selbst wildfremde Menschen anfassen und sehr nahe
kommen dürfen, ohne dass dies als Eindringen in die intime Distanzzone
betrachtet wird – was sonst in dieser Tabuzone unweigerlich der Fall ist.
Um diesen „Tabubruch“ aufzufangen, haben sich die Menschen eine
Spielregel dafür gegeben: das Auffordern zum Tanzen. Dabei wird um
das Einverständnis zum gemeinsamen Bewegen gebeten. Dies muss
selbstverständlich heute nicht mehr mit dem traditionellen: „Darf ich bitten?“,
passieren. Je nach Bekanntheitsgrad sind Sätze wie: „Haben Sie
Lust zum Tanzen?“, „Möchten Sie mit mir diesen Wiener Walzer tanzen?“,
„Hast du Lust auf einen Cha Cha Cha?“, „Wollen wir tanzen?“
moderner und ebenso höflich. Die Einwilligung zum gemeinsamen Tanz
hebt jedoch nicht die persönliche Intimsphäre auf. Ein zu enger Körperkontakt
kann als aufdringlich empfunden werden.
Aufforderung zum Tanzen - reine Männersache?
Nein – diese Zeiten sind vorbei. Selbstverständlich kann eine Frau heute
einen Mann zum Tanzen auffordern, ohne sich – wie es früher gewesen
wäre – „unmöglich“ zu machen. Einziges Risiko dabei, welches die Männer
seit eh und je als Auffordernde eingehen mussten: Sie könnte sich „einen Korb“ holen. Doch das wird eine moderne, selbstbewusste Frau
sicher unbeschadet überstehen.
"Nein, danke" - einen Tanz ablehnen?
Ob Frau oder Mann: niemand kann zum Tanzen „verdonnert“ werden.
Einen Tanz abzulehnen ist keine Unhöflichkeit. Allerdings sollte eine Ablehnung immer freundlich geschehen, wenn möglich mit einer Begründung
wie: „Nein danke. Ich möchte im Augenblick nicht tanzen (gern mal
eine Runde aussetzen)“, „Es tut mir Leid, ich brauche dringend eine kleine
Pause (meine Füße ‚streiken’ zur Zeit / ich habe mich gerade mit einer
Bekannten an der Bar verabredet).“ Schlechte Umgangsform – weil
kränkend für abgewiesene Personen – wäre es allerdings, den ausgeschlagenen
Tanz mit jemand anderem zu tanzen.
Aufstehen zum Auffordern?
Geht eine Dame oder ein Herr an einen anderen Tisch, um dort jemanden zum
Tanzen aufzufordern, stehen sie automatisch. Findet das Auffordern innerhalb
einer Tischrunde statt, ist es unter Fremden empfehlenswert, zum Auffordern
aufzustehen. Im Bekanntenkreis ist dies kein Muss mehr. Eine Frage wie: „Hast
du Lust mit mir zu tanzen?“, kann ruhig im Sitzen gestellt werden, ohne damit
eine Unhöflichkeit zu begehen.
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