„Kind, benimm dich!“

Gute Umgangsformen müssen vorgelebt werden

Kinder sind in weiten Teilen das Spiegelbild des Verhaltens von Erwachsenen. Wenn letzteren „der Benimm“ der jungen Generation nicht gefällt, tun sie gut daran, ihren Anteil an dieser Situation sorgfältig zu prüfen, statt Kindern und Jugendlichen den schwarzen Peter am „Werteverfall“ allein in die Schuhe zu schieben.

Diese lernen vorrangig durch das Imitieren ihrer Bezugspersonen. Wie sollen sie sich die „Zauberwörter“ zu eigen machen, wenn die familiäre Kommunikation ohne „bitte“ und „danke“ stattfindet? Wie können sie üben, andere im Gespräch ausreden zu lassen, wenn ihnen von Erwachsenen permanent über den Mund gefahren wird? Wie könnten sie je verstehen, dass guter Umgang miteinander auf der Wertschätzung der Mitmenschen basiert, wenn ihnen der gebührende Respekt versagt wird?

Gute Umgangsformen müssen vorgelebt werden

„Benimm dich!“ Wie oft ein junger Mensch diese oder eine ähnliche Ermahnung im Laufe seines Heranwachsens seitens Erziehender zu hören bekommt, ist statistisch nicht belegt. Die Zahl dürfte allerdings astronomisch hoch sein. Doch hilft ein solcher Satz, einem Kind gute Umgangsformen nahe zu bringen? Sicher nicht allzu viel. Erstens fehlt bei einer solchen „Weisung“ jegliche Erklärung, warum ein bestimmtes Verhalten unerwünscht ist. Zum Beispiel, weil andere Menschen sich dadurch gestört oder verletzt fühlen können und ihnen somit die Wertschätzung versagt wird. Zweitens ist sie zu unpräzise. „Dominik, bitte, nimm den Finger aus der Nase.“ Das ist eine klar geäußerte Bitte. Was aber, wenn die erwachsene Person, die sie ausspricht, ab und zu selbst in der Nase bohrt? Dann ist die Chance, dass dieser Satz Erfolg hat, gleich null. Gute Umgangsformen können nicht im „Einbahnstraßen-System“ eingeklagt werden. Sie müssen vorgelebt werden, wenn Erwachsene glaubwürdig sein wollen.

Knigge wäre stolz gewesen!

Jeder kennt den Namen des Vordenkers in Sachen menschlichen Miteinanders, wenn er auch heute fast ausschließlich mit dem  Thema "Guten Manieren" in Verbindung gebracht wird. Freiherr Knigge lebte und wirkte vor über 200 Jahren aber seine heutige Statthalterin ist nicht weniger Menschen ein Begriff. Inge Wolff, ADTV-Tanzlehrerin aus Bielefeld ist seit vielen Jahren die kompetente Ansprechpartnerin in Fragen des guten Tons und zeitgemäßen Miteinanders. Wie keine andere hat sie in den vergangenen Jahren für den Berufsverband gewirkt und neue Themenfelder erschlossen und für die Tanzschulen einsetzbar gemacht. Das Anti Blamier Programm für Kinder ist mittlerweile fester Bestandteil der Arbeit zum Thema Umgangsformen von ADTV Tanzlehrern in Schulen.

Arbeitskreis Umgangsformen International" (AUI)

Der Arbeitskreis Umgangsformen International (AUI) ist das älteste in Deutschland tätige Sachverständigen-Gremium zu den Themen Verhalten, Kommunikation, moderne Umgangsformen, im allgemeinen Sprachgebrauch gern als „Knigge“-Gremium bezeichnet. Es bietet sowohl der Presse als auch Privatleuten mit seinen Empfehlungen seit mehr als 50 Jahren sichere Kompetenz.

Unsere Ziele
Der AUI möchte dazu beitragen, das menschliche Zusammenleben angenehm und reibungslos zu gestalten sowie Unsicherheiten im Umgang miteinander zu beseitigen. Er will elementare Werte zusammen mit gewachsenem Kulturgut erhalten und dabei dem Zeitgeist entsprechen.

Das Gremium verfolgt keinerlei wirtschaftliche Interessen. Alle Mitglieder sind ehrenamtlich tätig. Es werden vom AUI weder „Regeln erfunden“ noch käme er auf die Idee, anderen Menschen vorschreiben zu wollen, was sie zu tun oder zu lassen haben. Weder „erlaubt“ noch „verbietet“ er etwas, sondern gibt nach reiflicher Überlegung Empfehlungen heraus, deren Basis stets diese Grundsätze sind: Drückt ein Verhalten Wertschätzung anderen Menschen gegenüber aus? Ist es rücksichtsvoll? Zeigt es Hilfsbereitschaft und Toleranz? Ist es in der heutigen Zeit noch praktikabel oder sinnvoll?

Zur Geschichte
Das erste Gremium hieß „Fachausschuss für Umgangsformen". Es wurde 1956 von Tino Schneider (Tanzlehrer ADTV, Vater von Inge Wolff) und Hans-Georg Schnitzer (Journalist) gegründet und agierte in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV). Die Arbeit dieses Gremiums endete gezwungenermaßen durch schwere Krankheit des damaligen Lektors in den Jahren 1984-1986.

Auf Drängen der Medien, wieder eine Anlaufstelle für Auskünfte zum Thema „moderner Knigge“ zu haben, kam es zu einer Neugründung. Im August 1989 konstituierte sich der „Arbeitskreis Umgangsformen International" (AUI), der wieder in Kooperation mit dem ADTV arbeitet, mit neuen Mitgliedern unter diesem neuen Namen.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen alle aus Berufen, die sich viel mit Umgangsformen beschäftigen. Der „Arbeitskreis Umgangsformen International" hat zurzeit 20 Mitglieder aus dem europäischen Ausland und aus Deutschland. Seine Empfehlungen beziehen sich dennoch ausschließlich auf Verhaltensformen in Deutschland.

Seit 2008 bietet Inge Wolff, Vorsitzende Arbeitskreis Umgangsformen International, eine Fort- und Weiterbildung zum „Business-Knigge-Coach“ auf der Basis der Empfehlungen des AUI einschließlich psychologischer Hintergründe für Verhaltensformen der Menschen an. Nach vier mehrtägigen Ausbildungsmodulen haben inzwischen 25 Trainerinnen und Trainer in den Jahren 2009 bis 2011 die Ausbildung zum „Knigge-Coach“ mit dem Zertifikat des AUI abgeschlossen. Sie bilden sich in jährlich stattfindenden Supervisionsseminaren kontinuierlich weiter.

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